Ausstellung
Anlässlich der Ausstellung zu Eileen Gray im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern entstand eine Ausstellungsarchitektur, die dem Werk der Architektin und Designerin gewidmet ist. Entworfen vom Kollektiv Architektur Theorie Geschichte und Raumgestalt am Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserslautern-Landau, lenkt die Architektur die Aufmerksamkeit vom Objekt auf den Raum, auf räumliche Beziehungen, auf das Dazwischen, auf das, was sich zwischen den Dingen entfaltet.
Bereits im Foyer, noch vor dem Betreten der Ausstellung, steht ein Modell der Ausstellungsarchitektur im Maßstab 1:10. Es ist Entwurfsinstrument und Artefakt zugleich. Als raumgreifendes Exponat zeigt es nicht nur das Ergebnis der entwurflichen Arbeit des Kollektivs, sondern war auch Werkzeug während des Entwurfsprozesses. Den Besuchenden ermöglicht es den Ausblick oder auch Rückblick auf das Erleben der Ausstellungsarchitektur.
Diese selbst strukturiert das Ensemble der Räume des MPK neu, ohne eine eindeutige Festlegung. Die Orientierung in den Räumen und das Verhältnis der Exponate zueinander entsteht in der Bewegung durch die Ausstellung. Die vorläufige, fast beiläufig erscheinende Struktur der Ausstellungsarchitektur ist gebildet aus Raumfiguren und Gestaltfragmenten. Diese erscheinen isoliert, freigestellt, so, als hätten sie sich aus einem größeren Zusammenhang gelöst. Sie verweisen auf Eileen Grays Architektur, das langsame Öffnen eines Fensters zur Terrasse, der Raum unter einem Oberlicht, das Bewegen einer Trennwand im Raum, das Lichtspiel hinter Lamellen. Die Figuren bleiben unvollständig, unscharf, wie Bilder, die man nicht mehr ganz greifen kann. Sie stehen im Raum wie Versatzstücke einer Erinnerung.
Eileen Grays Architektur reflektiert ihre Auseinandersetzung mit Schwellenräumen, Situationen, in der Grenzen durchlässig werden und sich verschieben. Wohnen wird in ihren Entwürfen zu einem Prozess, in dem Raum angeeignet und interpretiert wird. Das Haus ist kein Gehäuse mehr, sondern ein Ort, an dem sich Raumerfahrungen ständig neu formieren. Dieses Fluide liegt nicht nur in der räumlichen Organisation, sondern im Detail selbst: in der Art, wie Übergänge gestaltet sind, wie Licht gefiltert wird, wie Oberflächen reagieren, wie Elemente verschoben oder angepasst werden können.
In seiner Analyse der Häuser „E 1027“ in Roquebrune und „Tempe à Pailla“ in Castellar beschreibt Joseph Rykwert Grays Architektur als ein Behältnis für eine sorgfältig artikulierte Art des Lebens, einen „container for a carefully articulated way of life“[1], zugleich aber als eine Architektur mit einer elastisch kontrollierten Atmosphäre. In dieser präzisen Organisation und Offenheit liegt eine Qualität, die sich in der Ausstellungsarchitektur fortsetzt. Die Ordnung bleibt spürbar, während ihre Form sich auflöst. Das Gebaute erscheint als Möglichkeit, als Zustand, der sich im Denken zusammensetzt.
Die Ausstellung greift die Idee des Möglichen auf und verdichtet sie. Der Entwurf der Ausstellungsarchitektur basiert auf einer Interpretation der Referenzen durch Reduktion, Verdichtung und das bewusste Weglassen als zentrales Instrument des Entwerfens. Eileen Grays Architektur wird abstrahiert, vereinfacht und schließlich zu einer Raumstruktur gefügt, die in Dialog mit der Museumsarchitektur und den ausgestellten Objekten tritt.
Beatriz Colomina beschreibt Eileen Grays Haus „E.1027“ als einen Ort von Einschreibung und Überschreibung. Sie beleuchtet die Eingriffe Le Corbusiers, die von ihr als gewaltsame Überlagerung gelesen werden, als einen Moment, in dem sich Aneignung in die Architektur einschreibt bis hin zur Autorinnenschaft: Grays Raum wird übermalt, ihr Name verschwindet aus der Architekturgeschichte.[2] Auch dieser Aspekt wird durch die Ausstellungsarchitektur thematisiert.
Die Referenz zu Grays Arbeit ist nicht buchstäblich, doch auch in der Ausstellungsarchitektur sind ihre Häuser abwesend und zugleich im Raum. Die Gestaltfragmente funktionieren wie kondensierte und reduzierte Details, die Raumfiguren verhalten sich wie geträumte Räume, es entsteht ein Gefüge aus Hinweisen. Im Gegenüber und Miteinander mit den ausgestellten Entwürfen und Designs ist die Ausstellungsarchitektur Hintergrund und Artefakt zugleich, eine Erinnerung an das Werk Eileen Grays.
Adria Daraban und Oda Pälmke
[1] Joseph Rykwert, „Eileen Gray: Two Houses and an Interior, 1926-1933“, in Perspecta , 1971, Vol. 13/14 (1971), S. 66-73.
[2] Beatriz Colomina, “Battle Lines: E.1027,” in The Sex of Architecture, eds. Diana Agrest, Patricia Conway, and Leslie Kanes Weisman (New York: Harry N. Abrams, 1996), S. 173.













Fotos: Kollektiv Architektur Theorie Geschichte und Raumgestalt
Ausstellungsdokumentation



