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STAHL WIEDERVERWENDEN

Im diesjährigen Symposium der Reihe Architektur und Stoffkreislauf widmen wir uns der Wiederverwendung von Bauteilen aus Stahl:
Am 23. Januar 2026 ab 13:00 diskutieren wir einen Nachmittag lang mit interdisziplinären Gästen aus der Schweiz und Deutschland über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Praxis – gestalterisch, konstruktiv und prozessual.

Mit seiner Dauerhaftigkeit und technischen Leistungsfähigkeit hat Stahl zahllose wegweisende Innovationen im Bauwesen überhaupt erst möglich gemacht. Trotz intensiver Bemühungen um „grüne“ Alternativen macht jedoch die nach wie vor ausgesprochen energie- und ressourcenintensive Produktion von Primärstahl zirkuläre Ansätze im Stahlbau unumgänglich. Auch wenn eingespielte Kreisläufe der stofflichen Verwertung dabei heute noch weitgehend dominieren, bringt der Stahlbau eigentlich in vieler Hinsicht beste Voraussetzungen mit für Konzepte der Wiederverwendung und Wiederverwendbarkeit: Basierend auf einem industriellen Baustoff mit standardisierter Zusammensetzung und Elementierung und einem traditionell reichen Repertoire lösbarer Verbindungen bieten sich viele bestehende Stahlstrukturen als gut erschliessbare Bauteilminen an. Welche Prozesse dafür noch zu etablieren sind und welche konstruktiven und gestalterischen Herausforderungen sich im Redimensionieren, Rekonfektionieren, geschickten Kombinieren und Wiederverbinden rückgewonnener Elemente auftun, zeigen vier spannende Beiträge profilierter Fachleute aus Bauingenieurwesen und Architekturschaffen aus ihrer je eigenen Perspektive:

Dr. Ing. Kevin Rahner ist Bauingenieur. Nach Stationen u.a. in Stuttgart, Zürich, Berlin und Basel verantwortet er seit 2016 als Partner bei Schnetzer Puskas Ingenieure eine Vielzahl innovativer Projekte, die unterschiedliche Wege zu nachhaltigen Tragstrukturen ausloten, darunter auch die Wiederverwendung tragender Stahlbauteile in anspruchsvoller Funktion: Anhand des Projektes uptown Basel in Arlesheim (CH) können wir nachvollziehen, wie die Einzelteile der 50jährigen Stahlkonstruktion einer ehemaligen Panzerhalle in einem mehrgeschossigen Neubau erneut zum Einsatz kommen – vom intelligenten Rückbau bis zur Entwicklung neuer Verbindungen.

 

Dipl. Ing. Wenchang Shi und M.Sc. Boran Hao sind als Wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachgebiet Tragwerk und Material des Fachbereichs Architektur der RPTU unter der Leitung von Prof. Jürgen Graf mit der Entwicklung eines innovativen Hybridträgers befasst, der im Dienst kreislaufeffektiver Ressourceneffizienz wiederverwendete Stahlprofile mit Buchenfurnierschichtholz kombiniert. Wie sich die eingesetzten Materialien synergetisch ergänzen und wie standardisierte Masse und lösbare Verbindungen dabei sowohl die künftige Wiederverwendbarkeit des ganzen Trägers als auch seiner einzelnen Komponenten gewährleisten sollen, werden wir in ihrem Beitrag erfahren.

Ioan C. Brumer hat in Paris und Mailand Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften studiert, bevor er 2022 gemeinsam mit fünf Architekt:innen das interdisziplinäre Kollektiv Baukreisel gründete, das sich an verschiedenen Standorten in Deutschland in Architekturpraxis, Aktion und Forschung für einen bedachten Umgang mit bestehenden Ressourcen im Bauen engagiert. Im Zentrum der Forschung von Baukreisel e.V. steht dabei die Frage, wie im Bereich der Wiederverwendung von Baumaterialien in Deutschland der Weg aus der Theorie in die Praxis und in die Massifizierung geebnet werden kann – auch im Stahlbau hat Baukreisel dafür erste Schritte unternommen und weitere in Planung.

 

M.Sc. Guido Brandi und M.Sc. Marco Guerra studierten gemeinsam an der Accademia di Architettura in Mendrisio, bevor sie nach Stationen in verschiedenen schweizerischen und italienischen Architekturbüros neben ihrem Engagement in Forschung und Lehre (ZHAW Winterthur / USI AAM) zusammen mit drei weiteren Partnern in Zürich 2024 das Architekturbüro nuar gegründet haben. Seither machen sie mit einer beeindruckenden Serie von Wettbewerbserfolgen von sich reden – unter anderem dank innovativer Wiederverwendungskonzepte im Dienst des kreislaufgerechten und klimafreundlichen Bauens. Zwei gewonnene Schulhausprojekte in Zuoz und Bülach (CH) zeigen exemplarisch, wie die innovative Wiederverwendung von Stahlbauteilen auch in anspruchsvollen öffentlichen Bauten zu einem konstituierenden architektonischen Thema werden kann.

 

Stahl wiederverwenden
23. Januar – 13 Uhr

am fatuk Saal 090
Fachbereich Architektur der RPTU in Kaiserslautern


Vollständiges Programm

 

Symposium in der Reihe Architektur und Stoffkreislauf des Fachgebiets Kreislaufeffektive Architektur der RPTU

Jun.-Prof. Eva Stricker