KIRCHENBOX
Angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen stehen Bistümer vor der Herausforderung, ihren Gebäudebestand zu reduzieren. Wenn Pfarrheime wegfallen, fehlen Orte für Messdienerstunden, Gremiensitzungen oder das Pfarrsekretariat. Für diesen Bedarf hat die RPTU Kaiserslautern-Landau die „Kirchenbox“ entwickelt – modular, reversibel und recyclingfähig. Das Raum-in-Raum-Konzept ermöglicht die gemeinschaftliche Nutzung zu groß gewordener Kirchenräume. Der Prototyp ist derzeit in der ehemaligen Kapuzinerkirche in Mainz verortet.
Im Rahmen eines Masterprojekts erarbeiteten Architekturstudierende der RPTU gemeinsam mit Johannes Krämer, Baudirektor des Bistums Mainz, Konzepte für modulare Einbauten in Kirchen. Ziel ist es, vorhandene Räumlichkeiten bestmöglich zu nutzen und gleichzeitig einen sensiblen Eingriff in das bestehende Raumgefüge zu gewährleisten. Mit der „Kirchenbox“ sollten insbesondere Gruppenräume für etwa 25 Personen geschaffen werden – ohne dauerhafte und aufwendige Umbauten vornehmen zu müssen.
Entstanden ist eine Konstruktion, die den Prinzipien des modularen Möbelbaus folgt: Die Rahmen-, Wand- und Bodenelemente – alle aus dem nachhaltigen Baustoff Holz – lassen sich komplett rückbauen, sodass die Box bei Bedarf versetzt werden kann. Dank integrierter Heizung muss nicht der gesamte Kirchenraum beheizt werden. Transparente Wandelemente schaffen Sichtverbindungen in den Kirchenraum.
„Über Jahre hinweg beschäftigen wir uns im Fachgebiet Methodik des Entwerfens mit sakralen Aufgabenstellungen. Momentan ist nicht die Zeit für große Kirchenneubauten. Vielmehr geht es um Erhaltung, Sanierung und Transformation der Gebäude. Die Idee der Transformation, auch mit entsprechenden Funktionsüberlagerungen, stärkt die Relevanz und Aktualität des Themas Sakralbau. Damit einher geht die Suche nach den grundlegenden Themen der Architektur – Form und Figur –, gebildet über Raum, Struktur, Fügung, Material, Haptik, Licht, Atmosphäre und Handlung. In besonderer Weise gibt die kleine Aufgabe der Kirchenbox eine gelungene Antwort auf diese Fragenstellungen“, bringt Fachgebietsleiter Professor Dirk Bayer die Bedeutung des Masterprojekts auf den Punkt.
Das Konzept des in Mainz errichteten Prototyps stammt von der Architekturstudentin Svenja Brehm, die in der Zwischenzeit erfolgreich ihren Master absolviert hat. Sie hatte im studentischen Wettbewerb um den besten Entwurf überzeugt.
Weitere Informationen und Einblicke in den Aufbau des Prototyps gibt es im Video auf YouTube sowie auf der Webseite des Bistums Mainz.
Quelle: RPTU