News
Auftakt am Workshoptag 1 – Teambuildingübung durch die Anwedung des Tools „Reality Check“
Workshoptag 2 – Graphikworkshop mit Bernd Pegritz
Workshoptag 2 – Spielentwicklung für die bestehende Spielesammlung „klang²“
Triggerdiskussion mit Anke Kreamer und Markus Bredt zu „Hinter-Räume der Demokratie“
Workshoptag 3 – Gastvortrag der Architektursoziologin Astrid Fries, Innenstadtmanagerin von Koblenz
Gruppenfoto der Seminarteilnehmer:innen
Präsentation nach Zwischenkolloquium des Seminars „Encounters in the Greater Region“

Encountering the Greater Region

Im Rahmen einer UniGR-Gastprofessur untersucht Dr. Marie Enders, wie Orte der Begegnung in der Großregion identifiziert, analysiert und räumlich in Wert gesetzt werden können. In einem transnationalen Tandem-Seminar zwischen der Universität Luxemburg und der RPTU Kaiserslautern-Landau sorgt das konzipierte Format selbst für neue Begegnungen: Gemeinsam mit Studierenden beider Hochschulstandorte entwickelt Sie künstlerisch-forschende Methoden, Kartografien und räumliche Werkzeuge, um demokratiebildende Situationen sichtbar zu machen und in architektonische sowie planerische Strategien zu überführen. Das Projekt reagiert auf aktuelle gesellschaftliche Spannungen und versteht Begegnung als zentrale Infrastruktur demokratischer Verständigung über Grenzen hinweg.

Dr. Marie Enders untersucht in ihrer UniGR-Gastprofessur, wie Orte der Begegnung in der Großregion aufgespürt, kartiert und räumlich in Wert gesetzt werden können. Die Gastprofessur ist an der Universität Luxemburg, Research Unit Cultures of Assembly (COA), am Fachgebiet Stadterneuerung unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Miessen angesiedelt und wird in Kooperation mit dem Heimatinstitut, dem Fachgebiet Architektur – Theorie – Geschichte (ATG) der RPTU Kaiserslautern-Landau unter Prof. Dr. Adria Daraban durchgeführt. Gefördert wird das Projekt durch das Mobilitätsstipendium der Universität der Großregion (UniGR) unter dem Titel „UniGR-Gastprofessur 2025“. Die Laufzeit reicht von Oktober 2025 bis Frühjahr 2026; der Abschluss erfolgt in einem gemeinsamen Workshop in Kaiserslautern und endet in einem kuratorischen Format.

Ausgehend von der Annahme, dass demokratische Prozesse wesentlich auch räumlich vermittelt werden, richtet das Projekt den Blick auf alltägliche Formen der Begegnung, die als wichtige Grundlage für demokratische Verständigungsprozesse verstanden werden. Vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen in der Großregion liegt der Fokus darauf, bestehende Potenziale zu identifizieren, Dialoge zu stärken und Unterschiede wie Gemeinsamkeiten in einem gemeinsamen Austausch zu reflektieren. Die freizusetzenden Ressourcen der Begegnung werden dabei als Instrumente begriffen, die es architektonisch und planerisch zu erkennen, zu qualifizieren und in Wert zu setzen gilt.

Im Rahmen der Gastprofessur arbeiten Studierende aus Luxemburg und Kaiserslautern in einem transnationalen Tandem-Seminar künstlerisch-forschend. Das Seminar startete am 29. Oktober 2025 mit einer digitalen Auftaktveranstaltung, bei der Studierende zwei Inputs erhielten, die ihnen als Beispiel für eine eigene Werkzeugentwicklung zum Einfangen von Begegnung an Orten dienen sollten. Die Gemeinsamkeit der Input war somit das Medium „Klang“, hier verstanden als Werkzeug. Der Medienkünstler Udo Noll stellte sein Klang-Mapping, das auf der Plattform radio aporee einsehbar ist vor. Ergänzend gaben die Spieleentwickler Sebastian Oberlin und Adrian Rennertz Einblicke in ihre Spielesammlung klang2. Die Sammlung zeigt, wie verschiedenste Themengebiete durch ein Klang-Memory für eine breite Zielgruppe erschließbar gemacht werden können.

Darauf aufbauend erfassten die Studierenden in einer ersten Phase selbstgewählte Orte der Begegnung in der Großregion kartografisch sowie analytisch. Grundlage der Kategorisierung bildeten die vier Arten der Begegnung benannt vom Soziologen Rainald Manthe in seinem 2025 erschienenen Schlüsselwerk „Demokratie fehlt Begegnung“: zufällige Beobachtung, wiederkehrende Begegnungen, sprachlicher Austausch, gemeinsame Aktivitäten.

Vom 24. bis 26. November 2025 fand ein gemeinsamer Workshop mit Studierenden beider Hochschulen und Expert*innen im COA-Ladenlokal in Esch-sur-Alzette statt. Am ersten Tag tauschten sich die Studierenden in Gruppen aus und diskutierten online mit Rainald Manthe über die identifizierten Begegnungsformen. Der zweite Tag war der Erstellung von Kartografien und der Entwicklung einer Spiel-Edition (der Spielesammlung klang²) gewidmet. Gestalterisch begleitet wurden die Studierenden hierbei vom Illustrator Bernd Pegritz.

Abends diskutierten die Studierenden mit der Kunsthistorikerin Anke Kreamer und dem Fotografen Markus Bredt, Gäste der The Esch Clinics, zu deren künstlerisch-forschender Arbeit Hinter-Räume der Demokratie, moderiert von Dr. Cesar Reyes und Prof. Dr. Markus Miessen (mehr Infos). Am dritten Tag wurden die Analysen in erste architektonische und planerische Strategien im Sinne der Werkzeugentwicklung überführt. Das Abschlusskolloquium fand neben Dr. Marie Enders mit Prof. Dr. Adria Daraban, Prof. Dr. Markus Miessen und den Gastkritikerinnen Astrid Fries, Architektursoziologin und Quartiersmanagerin in in Koblenz sowie Carin Oberweis, Architektin und Honorarkonsulat der Republik Ghana in Luxemburg statt. Astrid Fries gab zudem eine Keynote zur Praxisrelevanz der Entwicklung von Strategien und Methoden, die als Werkzeuge verstanden Anwendung in der Praxis bedürfen und erfahren.

Der erste gemeinsame Workshop hat somit bereits neue Begegnungen in der Großregion eröffnet und gezeigt, dass sich eine internationale und diverse Region nur durch gemeinsam geteiltes Wissen erschließen lässt. Für Frühjahr 2026 ist daher ein zweiter Workshop in Kaiserslautern geplant. Studierende aus Esch und Kaiserslautern werden ihre bisherigen Ergebnisse präsentieren, weiterentwickeln und kritisch reflektieren. Ziel ist ein kuratierter, öffentlicher Werkzeugkasten, der zunächst über Ausstellungs- oder Publikationsformate zugänglich gemacht wird und langfristig über eine digitale Plattform allen Hochschulen der Großregion zur Verfügung stehen soll. Die Anwendbarkeit auf unterschiedlichen Maßstäben, ob national, regional oder lokal könnte Gegenstand eines Folgeprojekts sein.

Prof. Dr. Adria Daraban denkt das Projekt schon jetzt weiter: „Gerade Leerstände könnten als Rückführungsorte im Sinne ihrer ‚produktiven Unbestimmtheit‘ für die entwickelten Tools mitgedacht werden und enorme Potenziale eröffnen.“ Cesar Reyes ergänzt: „Das Prinzip ‚Knowing your neighbor‘ ist für unsere Arbeit im Cultures-of-Assembly-Ladenlokal auf lokalem Maßstab unumgänglich. Dieses Prinzip ist jedoch maßstabsungebunden relevant – auch für die Großregion und im Sinne von weiter auszubauenden Hochschulkooperationen. Daher schätzen wir die Idee der UniGR-Gastprofessur sehr und freuen uns was daraus mittelfristig erwachsen kann.“ Und auch die Studierenden nehmen bereits erste Erkenntnisse aus dem ersten Workshop mit sich: „Wir haben erkannt, dass Begegnung in der Großregion nicht nur Orte verbindet, sondern auch neue Perspektiven eröffnet (…) durch das Wissen über die Universität der Großregion hat sich für uns nicht nur der räumliche Horizont erweitert, sondern es sind auch Möglichkeiten deutlich geworden, unseren Studienverlauf im internationalen Hochschulverbund zu denken“, so Celina Philipps, Studentin im Diplomstudiengang Architektur am Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserlautern.

 

Laufende Infos zum Projekt

Die Realisierung des Projekts wird durch das Mobilitätsstipendium der Universität der Großregion und die Förderung des Dekanats der Fakultät für Architektur unterstützt.