News
Abschlussveranstaltung am 22. Januar – Inputs von Prof. Dr. Adria Daraban und Prof. Dr. Markus Miessen
Ergebnispräsentation, Phase 0 – Projektion des Mappings von Orten der Begegnung in der Großregion sowie ein partizipatives Angebot zum Ausprobieren des entwickelten Memoryspiels
Shared Dinner („eine Art Tupperparty“) – statt Tupperwaren werden Tools zur Inwertsetzung identifizierter Begegnungsorte in der Großregion vorgestellt und getestet
Ergebnispräsentation, Phase 1/2 – Vorstellung der Tools und Anleitungen in der UniGR-Toolbox; die Anleitungen erläutern den Entstehungsprozess der Arbeiten von der Analyse über die Konzeption bis hin zum Bau der Tools

„Encountering“ the Greater Region

Im Rahmen der UniGR-Gastprofessur „Encounters in the Greater Region“ untersuchte Dr. Marie Enders von Oktober 2025 bis Januar 2026, wie Orte der Begegnung in der Großregion identifiziert, analysiert und mittels künstlerisch-forschender Werkzeuge räumlich in Wert gesetzt werden können. Ausgangspunkt des Projekts war die Annahme, dass demokratische Verständigungsprozesse wesentlich auch räumlich vermittelt sind und alltägliche Begegnungen eine zentrale, bislang oft unterschätzte Infrastruktur demokratischer Praxis darstellen. Die Gastprofessur war an der Universität Luxemburg, Research Unit Cultures of Assembly (COA), im Fachgebiet Stadterneuerung unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Miessen angesiedelt und wurde in Kooperation mit dem Heimatinstitut, dem Fachgebiet Architektur – Theorie – Geschichte (ATG) der RPTU Kaiserslautern-Landau (RPTU) unter Prof. Dr. Adria Daraban durchgeführt. Gefördert wurde das Projekt durch das Mobilitätsstipendium der Universität der Großregion (UniGR) sowie durch eine finanzielle Unterstützung des Dekanats der Fakultät für Architektur (fatuk) der RPTU.

Umsetzung und Abschlussphase
Nach dem ersten gemeinsamen Workshop im November 2025 in Esch-sur-Alzette, in dem Studierende aus Luxemburg und Kaiserslautern Orte der Begegnung kartierten, analysierten und erste Werkzeuge und Methoden zum Einfangen von Begegnung testeten, bildete ein zweiter gemeinsamer Workshop vom 19. bis 21. Januar 2026 in der Architekturgalerie Kaiserslautern den Abschluss der Gastprofessur. Ziel dieser zweiten Phase war die kuratorische Aufarbeitung der entstandenen neuen Werkzeuge („New Tools“) und die räumliche Übersetzung der bisherigen Ergebnisse. Die in Phase 0 entwickelten Formate – ein klangbasiertes Memory-Spiel sowie eine kartografische Analyse von Begegnungsorten – wurden so weiterentwickelt, dass sie als Ausstellung erfahrbar wurden. Das Memory lud Besucher*innen dazu ein, Begegnungen in der Großregion spielerisch über Klänge zu erleben, während eine immersive, wandgroß projizierte Kartografie die analysierten Typologien von Begegnung differenziert nach Begegnungskategorien sichtbar machte. Im Zentrum der Abschlussphase stand zudem die Weiterentwicklung der von den Studierenden entworfenen Werkzeuge zur Inwertsetzung von Begegnung. Insgesamt entstanden in den Phasen 1 und 2 des Projektes elf unterschiedliche Tools, die sich jeweils auf spezifische, zuvor analysierte Typologien von Begegnung beziehen und den vier von Rainald Manthe beschriebenen Begegnungsarten zuzuordnen sind. Die Studierenden bauten elf Prototypen und entwickelten dazu jeweils eine Anleitung, die Analyse, Entstehung sowie Möglichkeiten der Umsetzung und Implementierung in der Großregion beschreibt. Diese Anleitungen wurden in einem analogen Werkzeugkasten namens „Uni-GR-Toolbox“ in Form eines kuratierten Faltflyer-Sets zusammengeführt.

Öffentliche Ausstellung und Vermittlung
Den Abschluss der Gastprofessur bildete am 21. Januar 2026 eine öffentliche Ausstellung in der Architekturgalerie Kaiserslautern, in der sämtliche Ergebnisse aus Phase 0 bis Phase 2 zusammengeführt wurden. Nach einer Einführung in Thema und Anliegen der Gastprofessur durch Dr. Marie Enders, die durch den Abend führte, gaben Prof. Dr. Markus Miessen und Prof. Dr. Adria Daraban inputartige Einblicke in ihre jeweilige Forschung und Lehre. Sie spannten dabei einen thematischen Rahmen von Architekturtheorie bis Stadterneuerung auf, innerhalb dessen die Arbeiten der Gastprofessur verortet werden konnten. Anschließend fand ein Shared Dinner statt, das an frühere Formate von „Tupperpartys“ angelehnt war und den öffentlichen Dialog eröffnete: Die Studierenden stellten ihre entwickelten Tools anhand der Anleitungen und Prototypen vor und „stießen“ symbolisch auf deren Einsatzmöglichkeiten mit einem gesprochenen „Toast“ als verbindendem Element an. In dieser offenen, informellen Situation entstand ein intensiver Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Gästen. Anwesend waren neben den beteiligten Studierenden aus Luxemburg und Kaiserslautern auch Vertreter*innen der Universität der Großregion, Kolleg*innen aus den beteiligten Fachgebieten, Kulturschaffende sowie weitere Studierende und interessierte Mitglieder der Öffentlichkeit.

Ergebnisse und Outputs
Als zentrales Ergebnis der UniGR-Gastprofessur liegt derzeit ein umfassendes Repertoire an entstandenen Produkten vor, bestehend aus:

  • einer Spiel-Edition „ Encounters in the Greater Region“ der Reihe klang²,
  • eine Map als kartografischen Übersicht der im Seminar analysierten Orte und Typologien von Begegnung
  • elf Anleitungen zur Entwicklung und Implementierung von Tools zur Inwertsetzung von Begegnung, die in einem Werkzeugkasten, der „Uni-GR-Toolbox“, gesammelt werden,
  • elf gebaute Prototypen dieser Tools

Alle Elemente sind in einem gemeinsamen kuratorischen Format zusammengeführt worden. Ziel ist es, diese Ergebnisse in einem nächsten Schritt zu dokumentieren und mittelfristig in eine digitale und Plattform zu überführen, die eine Erweiterung, Diskussion und Weiterentwicklung der Werkzeuge innerhalb der Großregion ermöglicht.

Mehrwert und Wirkung
Die UniGR-Gastprofessur ermöglichte nicht nur die finanzielle Umsetzung des Projekts, sondern eröffnete vor allem einen konsequent grenzüberschreitenden Blick auf das Thema „Begegnung“. Ohne den institutionellen Rahmen der UniGR wäre weder die intensive Zusammenarbeit der beiden Hochschulstandorte noch die wiederkehrende Mobilität der Studierenden in dieser Form möglich gewesen. Die transnationale Struktur führte zur Zusammenführung unterschiedlicher thematischer, methodischer und kultureller Perspektiven. Für die Studierenden eröffnete sich dadurch ein erweiterter Horizont: Sie lernten nicht nur neue künstlerisch-forschende Methoden kennen, sondern erfuhren den Mehrwert eines euregionalen Hochschulverbundes ganz konkret – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf mögliche Studienverläufe, Kooperationen und Mobilitätsprogramme. Auch für die Großregion besitzt das Projekt Relevanz, da es Begegnung als räumliche Ressource demokratischer Verständigung sichtbar macht und Werkzeuge anbietet, die über den akademischen Kontext hinaus anwendbar sind. Die entwickelten Tools sind bewusst skalierbar gedacht und lassen sich auf unterschiedliche Maßstabsebenen – vom lokalen Quartier bis zur Großregion – übertragen.


Ausblick

Aufbauend auf den Ergebnissen der Gastprofessur ist geplant, die entwickelten Inhalte in weiteren Forschungs- und Lehrvorhaben zu vertiefen. Die Kooperation zwischen dem Fachgebiet ATG der RPTU und der Research Unit COA der Universität Luxemburg soll weiter ausgebaut werden; bereits jetzt besteht das Interesse an gemeinsam zu betreuenden studentischen Arbeiten sowie Promotionsprojekten, und es wurde die Entwicklung von gemeinsamen Forschungsvorhaben vorgedacht. Langfristig ist eine Fortschreibung der derzeit analogen sowie zu digitalisierenden „Uni-GR-Toolbox“ im UniGR-Kontext sowie eine Öffnung des Formats für weitere Hochschulen und Institutionen der Großregion wünschenswert. Die entwickelten Werkzeuge verstehen sich dabei nicht als abgeschlossene Produkte, sondern als offenes System, das lokal erprobt, regional weiterentwickelt und großregional diskutiert werden kann.

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Alle Infos zum Projekt
Die Realisierung des Projekts wird durch das Mobilitätsstipendium der Universität der Großregion und die Förderung des Dekanats des Fachbereichs Architektur unterstützt.